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Richard Eichberg

Zwischen den Weltkriegen gehörte Richard Eichberg (1888-1953) zu den erfolgreichsten Vertretern des deutschen Genrekinos. Die Palette des Regisseurs und Produzenten erstreckte sich von urbanen Sensations-Melodramen über Kriminal- und Spionagestreifen, opulente Historien- und exotische Abenteuerspektakel bis hin zu musikalischen beschwingten Operetten- und Varietéfilmen, in denen das turbulente Berliner Nachtleben der Zeit eingefangen ist.

Richard Eichberg bei Stellproben am Set (Quelle: Getty Images)

Richard Eichberg bei Stellproben am Set
Quelle: Getty Images

Eichberg entdeckte Stars wie Lee Parry, Lilian Harvey oder La Jana, er drehte mit Publikumslieblingen wie Curt Bois, Paul Wegener, Willy Fritsch, Anna May Wong, Hans Albers und Heinrich George. Viele seiner Filme – darunter Kassenschlager wie Monna Vanna (1922), Die keusche Susanne (1926), Die tolle Lola (1927), Der Fürst von Pappenheim (1927), Der Greifer (1930), Der Tiger von Eschnapur oder Das indische Grabmal (1937) – setzten für ihre Zeit Maßstäbe populärer Filmunterhaltung, andere – allen voran das bezaubernde Melodrama Song (1928) – sind heute als vergessene Perlen der Filmgeschichte wiederzuentdecken.

Vom Publikum wurde er geliebt, von zeitgenössischen Kritikern als Meister der Kolportage ebenso heftig angegriffen wie leidenschaftlich verteidigt. Schnell stand der Name Eichberg für ein modernes, international ausgerichtetes Kino der bewegten Massen und exzessiven Emotionen – auf und vor der Leinwand. „Kennen Sie den Zustand, wenn man sehr gut gegessen hat, einen sehr guten Wein getrunken hat und jetzt, nachher, eine Havanna raucht – ein Zustand, wo der andere den größten Kohl reden kann und man findet es doch lustig, anregend? Das ist der Zustand ‚Richard Eichberg’, schrieb Willy Haas 1926. Und schon 1917 hieß es: „Ein Eichberg-Film. Damit wäre die Kritik eigentlich schon erschöpft, ein Mehr wäre Pleonasmus.“

Wer aber war dieser Richard Eichberg? Geboren als Sohn einer Gastwirtsfamilie in Berlin-Rixdorf war er vor allem ein Ur-Berliner, ein echtes ‚Original’, über dessen schnoddrigen Berliner Humor es eine Unmenge Anekdoten gibt, „die sogar den Vorzug haben, wahr zu sein“, wie der Zeitzeuge und Filmhistoriker Heinrich Fraenkel einmal feststellte. Eichberg selbst gab 1923 ein für alle Mal zu Protokoll: „Ich bin Berliner und wenn ich arbeite, denke ich zuerst an meine Heimatstadt, an Berlin, dann an Deutschland, an das deutsche Publikum, dem ich mit meinen Arbeiten gefallen will – und ganz zuletzt (denn der Film will ‚leben’, soll Geld bringen) … und ganz zuletzt auch ans Ausland, an – Amerika“

Michael Wedel