Schlagwort-Archive: Kamera

Bruno Mondi

Bruno Mondi wird am 30. September 1903 im damals preußischen Schwetz geboren. Der Beruf des Kameramanns ist für ihn ein Kindertraum und so betätigt er sich schon früh als Hobbyfotograf. Mit 14 Jahren beginnt er dann kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs eine Lehre bei der Deutschen Bioscop Filmgesellschaft, dem damals größten deutschen Filmunternehmen. Unter Anleitung von Guido Seeber lernt er dort zweieinhalb Jahre Entwickeln, Kopieren, Trickaufnahmen und Vorführen, bevor er erstmals als Kameraassistent im hauseigenen Atelier Hand anlegen darf.

1923 wird Mondi Kameraassistent bei der Zelnick-Mara Film, ein Jahr später wechselt er zu Richard Eichbergs Filmgesellschaft. Dort trifft er nach Guido Seeber auf einen anderen wichtigen Kameramann der deutschen Filmgeschichte, der ihn für seine weitere Laufbahn prägen soll: Heinrich Gärtner. Der ist zu diesem Zeitpunkt zwar nur acht Jahre älter, hat aber schon mehr als 50 Filme gedreht und nimmt Mondi unter seine Fittiche. Zusammen drehen sie die Eichberg-Filme „Durchlaucht Radieschen“ (1926/27), „Die tolle Lola“ (1927), „Der Fürst von Pappenheim“ (1927), „Die Leibeigenen“ (1927), „Das Girl von der Revue“ (1928) und schließlich auch „Song“ (1928) – Eichberg, Gärtner und Mondi werden zu einem eingespielten Trio.

Bruno Mondi Quelle: Deutsches Filminstitut

Bruno Mondi
Quelle: Deutsches Filminstitut

Noch im selben Jahr realisiert Mondi dann in „Die tolle Komtess“ zusammen mit Regisseur Richard Löwenbein seinen ersten Film als Chefkameramann. Das tut der Zusammenarbeit mit Eichberg und Gärtner jedoch keinen Abbruch und so drehen die drei noch bis in die frühen 30er Jahre weitere Filme in gewohnter Konstellation (u.a. „Der Greifer“, „Der Draufgänger“ und „Trara um Liebe“).

Eine entscheidende Wende in der Laufbahn Mondis ist dann 1935 die Bekanntschaft mit dem Regisseur Veit Harlan. Verbindet die beiden zu Beginn ihrer Zusammenarbeit noch der Hang zur akribischen Vorbereitung ihrer künstlerischen Arbeit am Set, ist es später ihre opportunistische Haltung gegenüber den Nationalsozialisten. Harlan wird zum Haus- und Hofregisseur von Goebbels und auch Mondi spielt mit, wird pünktlich zur Machtergreifung am 23. März 1933 Parteimitglied in der NSDAP und leiht seine Kamerakunst jedem Stoff und jeder Idee.

Zusammen drehen die beiden berüchtigte Propaganda-Filme wie „Jud Süß“ (1941), oder „Kolberg“ (1943-45) und Mondi kann dank des großzügigen Budgets dieser Filme erste Erfahrungen mit Agfacolor-Filmmaterial sammeln. Damit wird er zu einem Pionier des Farbfilms und gelangt aufgrund der ästhetischen Gestaltung dieser Filme, etwa mit „Kolberg“, zu zweifelhaftem Ruhm. Trotz seiner fragwürdigen Haltung gegenüber den Nationalsozialisten ist Mondis gestalterisches Talent dabei nicht zu übersehen, seine dynamische, entfesselte Kameraarbeit oftmals stilprägend und seine farbrealistische Darstellung unübertroffen.

Dem ist es wohl auch geschuldet, dass Mondi nach dem Krieg nur kurze Zeit Berufsverbot erhält, bevor er dann von der DEFA als Kameramann angestellt wird. Unter der Regie von Georg Klaren dreht er bereits 1947 „Wozzeck“, in den 1950er Jahren dann auch Publikumserfolge wie die Sissi-Filme. Mondi weiß sich trotz seiner Rolle hinter der Kamera als Star zu inszenieren, ist in der Presse wohlbekannt, sein Outfit mit Jockeymütze und Parka wird zu seinem Markenzeichen.

Mitte der 1960er Jahre wechselt Mondi dann wie viele Kameramänner zum Fernsehen, setzt sich aber bereits wenige Jahre später zur Ruhe. Am 18. Juli 1991 stirbt er in Berlin, doch noch bis heute betreibt sein Sohn Georg den Mondi-Filmtechnikverleih nahe der geschichtsträchtigen Film-und Fernsehproduktionsstätte Berlin Adlershof.

Stefan Merz

Quellen:
Brandlmaier, T. (2008): Kameraautoren. Technik und Ästhetik. Schüren Verlag: Marburg.
Müting, H: Zwei für Viele. In: Neue Filmwelt 1950, Ausgabe 3.