Paul Hörbiger

Der Österreicher Paul Hörbiger wird am 29. April 1894 in Budapest geboren. Nichts deutet zu Beginn auf Paul Hörbigers spätere künstlerische Karriere. Nach der Schule beginnt er ein Studium der Chemie. Dann bricht der Krieg aus, aus dem Hörbiger als Oberleutnant der Gebirgsartillerie zurückkehrt. Er entscheidet sich, wieder ein Studium aufzunehmen, diesmal jedoch Schauspiel. Seine ersten Engagements erhält er am Theater.

Den Grundstein für seine Karriere legt er in Prag, von wo aus er an den Österreicher Max Reinhardt in Berlin, einen der bedeutendsten Theaterregisseure des 20. Jahrhunderts, weiterempfohlen wird. 1926 fängt Hörbiger bei Reinhardt an, noch im gleichen Jahr spielt er seine erste kleine Rolle in der Filmoperette „Die Försterchristl“. Diese Rolle deutet bereits auf seinen späteren Werdegang hin: Hörbiger ist kein gefragter Hauptdarsteller, in Nebenrollen jedoch glänzt er verlässlich und wird von vielen Regisseuren besetzt.

Er stellt fast alles dar: Vom Heurigensänger im Ufa-Klassiker „Der Kongreß tanzt“ (1931) bis hin zum Kaiser Franz Joseph im Singspiel „Im weißen Rössl“. Zu den historischen Figuren, die er gleich mehrfach verkörpert, gehören neben Kaiser Franz Joseph der Komponist Franz Schubert und der Dramatiker Franz Grillparzer.

Paul Hörbiger als Musikant Carletto, Quelle: Stiftung Deutsche Kinemathek

Paul Hörbiger als Musikant Carletto
Quelle: Stiftung Deutsche Kinemathek

Auch in Richard Eichbergs „Song“ spielt Hörbiger an der Seite von Heinrich George und Anna May Wong eine Nebenrolle. Mit der Darstellung des Kleinkriminellen Carletto zeigt er in diesem Melodram nicht nur sein dramatisches, sondern auch sein komödiantisches Können. Für den Volksschauspieler Paul Hörbiger ist diese komische Facette von großer Bedeutung: Später wird er, häufig zusammen mit Hans Moser, zum Inbegriff des Wiener Schmähs, des ganz besonderen Wiener Humors.

Paul Hörbiger hat es immer verstanden, sein Publikum zuverlässig zu begeistern, und er besaß einen hohen Wiedererkennungswert. So schrieb der Kritiker Herbert Ihering: „Dieser Mann ist einer der größten Menschendarsteller unseres Theaters, ein offener, übersichtlicher Schauspieler.“

Während der NS-Zeit arbeitet Hörbiger weiter als Schauspieler, spielt in Filmen wie „Das Wunschkonzert“ (1940) und in dem kommerziell erfolgreichsten Film der NS-Zeit „Die große Liebe“ (1942) an der Seite von Zarah Leander. Politisch lässt er sich von den Nationalsozialisten jedoch nicht vereinnahmen, sodass er Berlin zu Beginn der 1940er-Jahre verlassen muss und erst Ende des Jahrzehnts zurückkehrt. In Filmproduktionen wirkt er in Österreich aber nach wie vor mit. 1949 spielt Hörbiger dann in einem Film mit, der aus seiner umfangreichen Filmografie hervorsticht: Der britische Regisseur Carol Reed engagiert ihn für die Rolle eines Portiers, eine kleine, aber wichtige Schlüsselrolle in seinem Film „Der dritte Mann“ mit Orson Welles und Joseph Cotten in den Hauptrollen.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg kann Hörbiger seine Karriere unter anderem in Heimatfilmen wie „Schwarzwaldmädel“ (1950) und „Drei Liebesbriefe aus Tirol“ (1962) fortsetzen. Eine andere Rolle, die ihm zu dieser Zeit große Bekanntheit verschafft, ist die Titelrolle in „Der alte Sünder“ (1951).

Paul Hörbiger hat mit der Wahl seines Berufes, ohne es ahnen zu können, eine der bedeutendsten Schauspieldynastien Österreichs begründet: Sein jüngerer Bruder Attila wird ebenfalls Schauspieler und heiratet die Schauspielerin Paula Wessely. Ihre drei Kinder Elisabeth Orth, Christiane Hörbiger und Maresa Hörbiger sind alle bekannte Film- und Theaterschauspieler geworden. Der Komiker, Synchronsprecher und Schauspieler Christian Tramitz ist der Sohn von Paul Hörbigers Tochter Monica Hörbiger.

In seiner langen Schauspielkarriere ist Paul Hörbiger in über 250 Filmen zu sehen gewesen und dabei schnell zu einem der beliebtesten Volksschauspieler Österreichs und Deutschlands avanciert. Anfang der 1970er-Jahre zieht er sich aus der Öffentlichkeit zurück und stirbt am 5. März 1981 im Alter von 86 Jahren in Wien.

Michaela Grouls

Quelle:
Reichow, J.: Stars von Gestern – Paul Hörbiger. In: Filmspiegel, Nr. 3, 1983.