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Dokumentarfilm: Lenins Kirche – Der Kommunismus als Religion

EichbergFilm_Dokfilm_Lenins-Kirche-Der-Kommunismus-als-ReligionDie sehenswerte Filmdokumentation untersucht den inneren Zusammenhalt einer politischen Ideologie. Der Ideologie des Kommunismus des 19. und 20. Jahrhunderts. Dabei steht der Kommunismus als weltweites Postkrisensystem im Mittelpunkt. In der kommunistischen Idee und in ihrer realen Erscheinungsform sind vielfach Grundzüge einer Religion angelegt. Eindrucksvolle Vergleiche zwischen kommunistischen Riten sowie Glaubens- und Verhaltensformen werden in anschauliche und nachvollziehbare Zusammenhänge gebracht. Der Dokumentarfilm: „Lenins Kirche – Der Kommunismus als Religion“ zeigt diese elementaren Parallelen in ihrem ideologischen Grundkonzept. Ebenso steht ihre praktische Wirkung auf den Verlauf der Geschichte, vor und nach der Machtergreifung der Kommunisten im Herbst 1917 in Rußland, im Fokus des Filmes. Der 45-minütige Dokumentarfilm zeigt seltene Originalaufnahmen und liefert durch aufschlussreiche Interviews mit kompetenten Gesprächspartnern interessante Hintergründe und zeitgeschichtliche Einordnungen.

Erstausstrahlung: rbb Fernsehn – 30.09.2018, 22:50 Uhr

Extrem-Pauken in den Ferien


Die wenigsten Kinder würden in den Sommerferien freiwillig zur Schule gehen. In Russland allerdings ist das eine Auszeichnung. Denn nur die besten Schüler dürfen ihre Ferien in Orlyonok verbringen. In diesem Ferienlager steht Lernen auf dem Programm, hier wird die neue Wirtschaftselite des Landes herangezogen.

Strenge Einlasskontrollen am russischen Ferienlager Orlyonok. Hierher schickt die russische Elite ihren Nachwuchs. 800 Euro kosten drei Wochen am Schwarzen Meer – das können sich nur Vermögende leisten. Manche brauchen einen Sponsor, so wie die 17-jährige Budarina – obwohl deren Mutter Richterin ist. Langes Ausschlafen und Rumhängen wird hier nicht geduldet. Der Tag in Orlyonok beginnt diszipliniert acht Uhr mit Frühsport für alle. Das Lager dient vor allem der Charakterbildung, nicht zuerst der Entspannung. Alles läuft nach einem klaren Plan. Auch Budarinas Tag ist strukturiert vom Frühstück bis zur Nachtruhe. Jeden Morgen wird der Plan besprochen.

Orlyonok ist ein ehemaliges Pionierlager, benannt nach einem legendären jugendlichen Helden, der im Partisanenkampf sein Leben für die Heimat ließ. Bis heute gilt Orlyonok als Vorbild – so wie er, sollen die begabtesten Kinder des Landes ihrer Heimat dienen. Auch, wenn es dabei nicht mehr um Leben und Tod geht. Die meisten Kinder, die nach Orlyonok kommen, müssen sich den Aufenthalt durch gute Leistung verdienen. Sergej Panchenko hat selbst als junger Pionier das Lager erlebt und ist heute Berater der Geschäftsleitung. Der Grundgedanke – Kinder im Sinne der Gesellschaft zu erziehen – habe sich bis heute nicht geändert, meint er. Für ihn heißt Orlyonok Elitenförderung.

Das Lager ist in sieben Sektionen geteilt. In jedem gibt es einen anderen Schwerpunkt – von Marineausbildung bis zu Managementseminaren. Zunächst lernt Budarina Grundlagen der Pädagogik. Anschließend gibt es Seminare für künftige Führungskräfte: eine Ausbildung in Organisation, Teambildung und Mitarbeiterführung. 50 Pädagogen kümmern sich in Orlyonok um die Jugendlichen. Und die sind aufmerksam, wie in der Schule. Was sie hier lernen, soll ihnen den Weg in die Management-Etagen russischer Unternehmen ebnen. Damit der Ruf des Lagers möglichst weit gehört wird, leistet sich Orlyonok ein eigenes Fernsehstudio. Hier werden Nachrichten aus dem Lager produziert und die wichtigsten Ereignisse in Werbefilmen präsentiert. Auch das hat Tradition, schon in den 60er Jahren malten Kameraleute das Bild vom strebsamen Pionier. Jetzt zeigt der Sender Bilder von Besuchen der russischen Führung, der Kreml gehört zu den wichtigsten Finanziers von Neubauten und großen Veranstaltungen. Wladimir Putin hat mehrfach die Bedeutung Orlyonoks für das russische Bildungssystem betont.

Für Budarina aber steht der wichtigste Tag noch bevor. Ihre Eintrittskarte ins Ferienlager hat sie sich nämlich erarbeitet. Mit ihrem Tanzensemble gewann sie einen Regionalausscheid. Die Sieger wurden ans Schwarze Meer delegiert. Für die Teilnahme am Finale wurden noch einmal 400 Euro fällig, fast ein Monatsgehalt in Russland. 200 junge Talente aus allen Landesteilen treten gegeneinander an – das Festival gilt als Karrieresprungbrett für Künstler. Schließlich sitzen in Orlyonok Musik- und Tanzprofessoren aus Moskau in der Jury, sowie Profis aus dem internationalen Showgeschäft. Budarina ergreift ihre Chance: Sie wollte eigentlich nur mit ihrem Ensemble tanzen, hat sich aber kurzfristig für einen Soloauftritt angemeldet. Der Mut wird belohnt. Erster Preis in der Kategorie Gesang, befinden die Preisrichter. Dann endlich haben auch die Eliteschüler Freizeit an einem der schönsten Strände des Schwarzen Meeres. Anderthalb Stunden Muscheln suchen und schwimmen – mehr Entspannung ist nicht drin, wenn man künftig zu den Führern der russischen Nation gehören will.