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Dokumentarfilm: Lenins Kirche – Der Kommunismus als Religion

EichbergFilm_Dokfilm_Lenins-Kirche-Der-Kommunismus-als-ReligionDie sehenswerte Filmdokumentation untersucht den inneren Zusammenhalt einer politischen Ideologie. Der Ideologie des Kommunismus des 19. und 20. Jahrhunderts. Dabei steht der Kommunismus als weltweites Postkrisensystem im Mittelpunkt. In der kommunistischen Idee und in ihrer realen Erscheinungsform sind vielfach Grundzüge einer Religion angelegt. Eindrucksvolle Vergleiche zwischen kommunistischen Riten sowie Glaubens- und Verhaltensformen werden in anschauliche und nachvollziehbare Zusammenhänge gebracht. Der Dokumentarfilm: „Lenins Kirche – Der Kommunismus als Religion“ zeigt diese elementaren Parallelen in ihrem ideologischen Grundkonzept. Ebenso steht ihre praktische Wirkung auf den Verlauf der Geschichte, vor und nach der Machtergreifung der Kommunisten im Herbst 1917 in Rußland, im Fokus des Filmes. Der 45-minütige Dokumentarfilm zeigt seltene Originalaufnahmen und liefert durch aufschlussreiche Interviews mit kompetenten Gesprächspartnern interessante Hintergründe und zeitgeschichtliche Einordnungen.

Erstausstrahlung: rbb Fernsehn – 30.09.2018, 22:50 Uhr

Wasser in der Wüste


Echte Kriege ums Wasser hat es – zum Glück – bisher kaum gegeben. Trotzdem schürt der Wassermangel in trockenen Gebieten alte Konflikte. So streiten sich im Nahen Osten Israelis und Palästinenser um Regen- und Grundwasser. Die Palästinenser haben dabei oft das Nachsehen, macht doch allein Israel die Regeln für die Wassernutzung.

Ein Ausweg könnte das sogenannte fossile Wasser sein – ein Geschenk aus der Urzeit, mit dem Israel nicht nur die Wüste zum Blühen bringen, sondern vielleicht auch den Friedensprozess beschleunigen kann.

Die Negev-Wüste bedeckt 60 Prozent der Fläche von Israel. Der Name bedeutet: „Die Trockene“. Eine tote, staubige Sandwüste. Doch gerade hier wollen israelische Wissenschaftler eines der drängendsten Probleme der Region lösen: Den Wassermangel.

Mitten in der Negev-Wüste liegt das Blausteininstitut der Ben Gurion Universität. Hier erforschen Professor Samuel Appelbaum und seine Kollegen ein ganz besonderes Naturwunder: Wüstenwasser. 30.000 Jahre lang hatte dieses Wasser verborgen in tiefen Erdschichten gelagert. Es sind wahrscheinlich die Reste eines Meeres, das in Urzeiten die Erde im Nahen Osten bedeckte – heute ist das fossile Wasser der Grundstock für neues Leben in der Wüste.

Das Geschenk aus der Urzeit umfasst viele Milliarden Kubikmeter – 300 Jahre lang könnte Israel damit Fischzucht und Landwirtschaft betreiben. Unabhängig von Flüssen, Regen- oder Grundwasser.

Gefördert wird der Schatz aus der Tiefe in gesicherten Pumpstationen. Bis zu 1000 Meter tief musste gebohrt werden. Dafür ist das fossile Wasser billig und darf – anders als Süßwasser – ohne Abgabequoten verteilt werden. So lohnt sich auch eine eigene Teichwirtschaft. Vier Betriebe produzieren rund 200.000 Fische im Jahr mit dem Wüstenwasser. Die meisten davon werden auf den Basaren des Landes verkauft. Landwirtschaft und Fischzucht gab es bisher vor allem im israelischen Norden. Künftig könnte ausgerechnet der trockene Süden wirtschaftlich stärker werden.

Sogar der Tourismus profitiert vom neuen Überfluss. Das warme und leicht salzige Wasser wird in Thermalbäder geleitet, in denen unter anderem Gelenkschmerzen kuriert werden sollen. Anwohner und Besucher genießen den Luxus in Wüstennähe.

Doch obwohl das unterirdische Wasser über die ganze Region verteilt ist, profitieren nicht alle davon. Die Grenze zieht die Politik: Die Palästinensergebiete leiden ebenso wie Israel unter der Trockenheit. Aber weil allein Israel über die Wasserverteilung entscheidet, werden hier die Ressourcen immer knapper.

An der Universität Birzeit bei Ramallah treffen wir Prof. Rashed Al Sa’ed, der das Recht auf eigenes Wasser fordert. Der Wasserexperte erklärt seinen Studenten, dass die Wassermenge, die Israel an die Palästinenser liefert, bereits 1994 festgelegt wurde. Seither bleibt die jährliche Menge gleich, obwohl die Bevölkerung in den Palästinensergebieten stark gewachsen ist.

Tatsächlich muss auch da, wo im kargen Land Wasser fließt, die Nutzung von Israel genehmigt werden. Wir begleiten einen Mitarbeiter der palästinensischen Wasserbehörde. Das oft ungenutzte Grundwasser fließe wegen der Bodenbeschaffenheit später von allein auf israelisches Gebiet, sagt er. Von dort müssen es die Palästinenser teuer zurückkaufen.

Willkürliche Preise und ein tägliches Limit von 50 bis 80 Litern für jeden Palästinenser lassen die Verbitterung wachsen. Der Verbrauch der israelischen Siedler ist immerhin zwei- bis dreimal so hoch, der Preis für sie aber um 60 Prozent günstiger.

Dass das fossile Wasser den Streit zumindest entspannen könne, davon ist Wasserforscher Appelbaum überzeugt. Dabei beruft er sich auf den Staatsgründer Israels Ben Gurion. Auch der Gründervater sah Zukunft und Fortschritt des Landes in der Bezwingung der Negev-Wüste. Vielleicht liegt hier tatsächlich ein Schlüssel zu mehr Verständigung.

Für Israel ist das Wasser aus der Urzeit auf jeden Fall schon jetzt ein Wirtschaftsfaktor. Mittlerweile werden sogar Zierfische von hier aus in die ganze Welt exportiert. Die wenigsten Käufer werden wissen, dass ihre Guppies, Haibarben oder Koridoras direkt aus der staubtrockenen Negev-Wüste stammen.

Kunst gegen Krieg


Tel Aviv liegt nur rund 70 Kilometer vom Gazastreifen entfernt. Doch hier ist nur wenig von dem blutigen Konflikt in der Nachbarschaft zu spüren. Das legendäre Nachtleben und die bunte Künstlerszene scheinen unbeeindruckt vom Geschehen in Gaza. Dabei sind Krieg und Gewalt auch in Tel Aviv ein Thema.

Gegen die Gewalt im Gazastreifen demonstrieren einige jungen Araber und Israelis in Tel Aviv. Immer wieder kommt es zu Rangeleien, die Polizei schreitet ein. Ungewöhnliche Szenen in einer Stadt, die sonst ganz anders auf Krisen reagiert. „Jerusalem betet, Haifa arbeitet, Tel Aviv feiert“, heißt es in Israel. So sind auch Krieg und Demonstrationen kein Grund für eine Partypause. Sivan Zagury sagt, dass der Krieg in Israel genau der Grund sei, weshalb sie eine Party feiern. Jeder hier stehe unter einem großen Druck und ist so angespannt. Sivan arbeitet für eine kleine Agentur, die Touren durch das legendäre Tel Aviver Nachtleben anbietet. Touristen aus dem Ausland und aus Israel werden durch die Partyszene geführt, Freigetränke inklusive. Der Andrang ist groß, denn der Ruf der Stadt als Partyhauptstadt des Nahen Ostens ist trotz der Konflikte in Gaza ungebrochen. Rund 20 Euro kostet die Tour durch die Nacht.

Einer der intimsten Kenner der Szene ist DJ und Musikjournalist Amir Egozy. Auch er bemerkt, dass die politische Krise die Feierstimmung nicht verdirbt. Die gerade mal 500.000 Einwohner füllen hunderte Clubs, Bars und Diskos in der Stadt. Die Stadt sei wirklich sehr aktiv, verglichen mit anderen Städten in der Welt. Diese sind vielleicht zehnmal größer, haben aber auch nicht mehr Angebote als Tel Aviv, so Amir Egozy. Für ein Internetportal beschreibt er die Clubszene und die Trends im Musikbusiness von Tel Aviv. Auch hier hinterlässt der Konflikt mit den Islamisten Spuren – allerdings nehmen die Städter die Sache mit Humor. So wird dem Hisbollah-Chef jeden Tag ein Sinnspruch in den Mund gelegt. Heute zum Beispiel erregt er sich über die Unhöflichkeit, Feriengrüße per SMS zu versenden.

Die Partykeller der Stadt liegen gerade mal 70 Kilometer vom Gazastreifen entfernt. Doch zu spüren ist von dieser Nähe nichts. Die Strandbars haben ganzjährig geöffnet, auch im Januar fallen die Temperaturen kaum unter zehn Grad. Tel Aviv ist eine moderne, westliche Stadt, ein Paradies für Musiker, Designer und Straßenkünstler. Werfe man hier einen Stein, sagen die Einwohner, treffe man eine Katze oder einen Künstler. Eine, die das Bild dieser Stadt einfangen will, ist Gurit Magen. Die Designerin liebt die kleinen Läden und Trödelmärkte in der Altstadt. Hier holt sie sich Anregungen für ihre ungewöhnliche Alltagskunst. Aus dem, was sie im Trödel entdeckt, schafft sie neue Gebrauchsgegenstände, zum Beispiel diesen Kronleuchter aus alten Teekesseln. Designerin Gurit Magen lässt sich dabei von ihrer Heimat inspirieren. So sucht sie nach Dingen, die die Leute weggeworfen haben. So entstehen Obstschalen aus Gasflaschen und Kerzenständer aus Rohren. Für Beleuchtung könnten diese alten Fernsehgeräte sorgen, die sonst kein Tel Aviver mehr haben möchte. Sogar eine eigene Weltzeituhr hat Gurit gebaut, sie zeigt die Zeit auf den größten Trödelmärkten der Welt an. Wahrscheinlich gibt es wenige Städte, in der so viele Künstler und Designer leben wie in Tel Aviv. Hunderte Läden bieten selbst entworfene Taschen, Kleider oder Uhren an.

Auch die aktuelle Politik taucht in Tel Aviv als ästhetische Spielerei auf. Manche Schaufenster-puppen wurden sogar mit Gewehren ausgestattet. Kein Einzelfall: Auch mit ihren schicken Luxuskörben macht Designerin Tamar Liva aus Politik Mode. Ein Korb etwa erinnert mit aufgedruckten Zeitungsmeldungen an den Libanonkrieg vor zwei Jahren. Und Schneiderin Ilanit Shami macht aus der Arbeitskleidung der sozialistisch geprägten Kibbuzim in Israel Kleidung für moderne Städter. Den Krieg im Gazastreifen und die Angriffe der Hamas haben die Tel Aviver nicht vergessen. Aber sie genießen den Luxus, manchmal abschalten zu können. Man hat die Möglichkeit zu wählen. Man kann wählen, mit all dem nichts zu tun zu haben oder sich zu engagieren. Man kann sich aus allem raushalten, das außerhalb von Tel Aviv passiert, so Gurit Magen. Am Abend sind die Clubs wieder gut gefüllt. Die junge Designerin Gurit Magen will sich zwar nicht aus allem heraushalten, aber trotzdem genießt sie die Atempausen, die ihr Tel Aviv gewährt.