Anna May Wong

Anna May Wong Quelle: "Filmmuseum Potsdam" (FMP)

Anna May Wong
Quelle: „Filmmuseum Potsdam“ (FMP)

Als erste asiatisch-amerikanische Schauspielerin macht sich Anna May Wong nicht nur im Hollywood der 1920er Jahre einen Namen, spätestens mit ihrem Auftritt in Eichbergs Film „Song“ ergattert sie sich auch einen Platz in den Herzen des europäischen Publikums. Der Redakteur des „Kunstwart“ Wolfgang Petztet beschreibt Anna May Wongs Auftritt in Song folgendermaßen: „Die Welt der Filmautoren und unser Dasein hätten eigentlich gar nichts miteinander zu tun. Wenn Anna May Wong nicht wäre, die da auf der Leinwand liebt und leidet, so sanft und stark, dass wir an ihr Dasein von ganzem Herzen glauben.“
Der internationale Durchbruch gelingt Anna May Wong schon 1924 mit ihrer Hauptrolle in „Der Dieb von Bagdad“ von Douglas Fairbanks. Die exotische Schönheit mit den großen, runden Augen und den wohlgeformten Lippen überzeugt nicht nur durch ihr ungewöhnliches Aussehen und ihre besondere Eigenart. Sie war auch eine exzellente Schauspielerin.

Anna May Wong wird 1905 in Los Angeles als zweites von sechs Kindern einer chinesischen Familie geboren. Ihre Großeltern waren bereits Anfang des 19. Jahrhunderts aus China nach Kalifornien eingewandert. Ihre Familie betreibt eine Wäscherei in Chinatown. Schon früh entdeckt Anna May Wong ihre Leidenschaft für die nah gelegene Filmindustrie. Hollywood ist Anfang des 20. Jahrhunderts stark von Rassismus geprägt. Anti-asiatische Themen sind zu dieser Zeit im Film sehr beliebt, nicht selten wird in Chinatown gedreht. Schon im Alter von neun Jahren nutzt sie jede Gelegenheit, bei Filmdrehs in Chinatown anwesend zu sein. Im Alter von 14 Jahren erhält sie ihre erste Komparsenrolle in „The Red Lantern“. Gegen den Willen ihres Vaters zeigt das junge Mädchen in den Folgejahren immer wieder ihr Schauspieltalent in diversen Filmen. 1923 spielt sie ihre erste große Rolle in „Toll of the Sea“. Der Film, in Technicolor gedreht, gilt als erster Farbfilm Hollywoods und bildet das Sprungbrett für Anna May Wongs Schauspielkarriere. Schon ein Jahr später gelingt ihr der Durchbruch in der Rolle einer mongolischen Sklavin in „Der Dieb von Bagdad“.

Die exotische Schauspielerin fasziniert das Publikum. Ihr ausdrucksstarkes Gesicht erscheint wie ein offenes Buch, das – von graziler Gestik unterstützt – ihre Emotionen uneingeschränkt reflektiert. Zugleich vereint sie in ihrer Person die Kontraste der chinesischen und nordamerikanischen Kultur. „Äußerlich ist sie eine Amerikanerin, smart, mondän gekleidet, steuert sie ihr Auto durch den Riesenverkehr des Sunset Boulevard. Aber innerlich ist sie eine unverfälschte Chinesin, die langes Haar trägt, an die Seelenwanderung glaubt, fest davon überzeugt, im nächsten Leben als Kolibri auf einem Pfefferbaum zu schaukeln.“ (Hubert, 1927)

Anna May Wong als Song Quelle: "Filmmuseum Potsdam" (FMP)

Anna May Wong als Song
Quelle: „Filmmuseum Potsdam“ (FMP)

„Der Dieb von Bagdad“ bringt Anna May Wong auch auf europäische Leinwände. So fasziniert sie Richard Eichberg, der stets auf der Suche nach neuen Talenten ist und die junge Schauspielerin für seinen Film „Song“ 1928 nach Deutschland holt. Sie spielt eine Asiatin, die sich in einen Messerwerfer (Heinrich George) verliebt und durch ihn in kriminelle Machenschaften verwickelt wird. Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit an „Song“ entstehen in den darauffolgenden Jahren zwei weitere Filme von Eichberg mit Wong: „Großstadtschmetterling“ und „Hai-Tang. Der Weg zur Schande“. In den Jahren 1928 bis 1930 bewegt sich Anna May Wong zwischen Berlin, Paris und London. So steht sie zum Beispiel für die britische Produktion „Piccadilly“ 1929 für E.A. Dupont in London vor der Kamera. Paris, wo sie 1930 „L’Amour Maitre des Choses“ dreht, hat es ihr besonders angetan.

Trotz der erfolgreichen drei Jahre in Europa, treibt das Heimweh Anna May Wong zurück nach Kalifornien. Bis 1942 geht ihre Filmkarriere stetig voran, auch wenn sich die erfolgreiche Schauspielerin oft in der fehlenden Vielfalt ihrer Rollen aufgrund ihrer Herkunft eingeschränkt fühlt. Mit Beginn des Kalten Krieges wird es für Anna May Wong immer schwieriger Rollen in Hollywood zu bekommen, da der antichinesische Rassismus wieder entflammt. Nach einer 18-jährigen Pause, in der sie auch zum ersten mal China besucht, erlebt Anna May Wong 1960 noch ein kurzes Comeback in dem Lana Turner-Film „Portrait in Black“. Nur ein Jahr später stirbt sie im Alter von 54 Jahren nach monatelanger Erkrankung an einem Herzinfarkt.

Anna May Wong bleibt weltweit als großartige, exotische Schauspielerin und erster weiblicher chinesischer Hollywoodstar in Erinnerung. Zu ihrer Zeit wurde sie darüber hinaus als Repräsentantin der emanzipierten chinesischen Frau wahrgenommen.

Ann-Fleur Praetorius

Anna May Wong Quelle: Zeitungsarchiv HFF „Konrad Wolf“ Potsdam-Babelsberg)

Anna May Wong
Quelle: Zeitungsarchiv HFF „Konrad Wolf“ Potsdam-Babelsberg)

Quellen:
Chan, A.B. (2003) Perpetually Cool. The Many Lives of Anna May Wong. Scarecrow Press: Lanham, Maryland.
Güttinger, F. (1984). Der Stummfilm im Zitat der Zeit. Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main.
Hubert, A. (1927) Anna May Wong. Ein chinesisches Märchen aus Hollywood.
Russell Gao Hodges, G. (2004) Anna May Wong. Palgrave Macmillan: New York.